Nichts neues, aber viel zu tun
So, das neue Jahr ist in seiner dritten Woche, und ich denke, ich habe deutlich genug gemacht, dass ich nicht vorhabe, mich Hals über Kopf da rein zu stürzen.
Das letzte Jahr ist noch zu gegenwärtig; fast möchte ich sagen, es ist noch gar nicht abgeschlossen, jedenfalls nicht im Sinne eines präsentierbaren Jahresabschlusses. Das neue kommt mir bisher eher vor wie eine Fortsetzung des letzten, nur mit noch mehr zu tun. Was anliegt, lag im Grunde schon letztes Jahr an - die immer jeweils nächste Conny-Van-Ehlsing-Geschichte, das zweite Download-Heft, die englischen Hefte, ein paar neue Web-Communities zum Reinschnuppern, noch sechs
Conny-Alben zu verkaufen, bis die Druckkosten rausgeholt sind. Alles nichts Neues.
Trotzdem, irgendwie ergibt es sich bei zwei Wochen Pause von selbst, dass man, also ich jedenfalls, Sachen umdeutet und neu besetzt und bewertet und zu neuen Ideen kommt oder auch nur zu neuen Perspektiven auf alte Ideen, und ich gebe mir gerade alle Mühe, das nicht "Vorsätze" zu nennen, weil das einfach nur doof wäre.
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Cliffhanger: Scheherazade und ich
Nichts gegen Cliffhanger - wer bin ich, dass ich gegen tausendundein Jahr Erzähltradition anstinken könnte? Denn als Urheberin des Cliffhangerprinzips gilt in der Literatur die sagenhafte Scheherazade, die ihren Tod dadurch herauszögerte, dass sie das nächtliche Geschichtenerzählen immer an der spannendsten Stelle beendete und versprach, am nächsten Tag weiterzumachen. Wir modernen Erzähler sind gewissermaßen allesamt Kinder von Scheherazade, denn wir leben davon, dass unser Publikum immer mehr will und uns nicht köpft. Besonders im Webcomic, der meist seitenweise fortgesetzt wird, und bei dem es am Ende der Seite deshalb nicht bloß um ein banales Umblättern geht, sondern ums Zurückkommen beim nächsten Upload.
Aber immer nur Cliffhanger, das ist auf Dauer nicht das Wahre. Man kann zwar die Art des Cliffhangers variieren (ein Gag, ein neuer, rätselhafter Charakter, eine Frage, ein Angriff), aber es ist eben doch Seite für Seite das gleiche Prinzip. Wenn jede Seite im Prinzip gleich strukturiert ist, wirkt der Comic als ganzes schematisch und auf Dauer langweilig.
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The Original Soundtrack
Hier ist eine sehr schöne Frage aus einem Forum von. Was wäre der Titelsong deines Comics, wenn er einen hätte?
Interessanterweise hatte ich mir gerade selber meine Gedanken dazu gemacht. Solche Fragen, die auf den ersten Blick nichts mit dem eigentlichen Comic zu tun haben, können helfen, die Figuren und den Ton einer Serie klarer hervorzuarbeiten. Deshalb kann ich das als Übung sehr weiterempfehlen.
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Man kann auch viel Zeit damit verbringen, Prokrastination richtig zu schreiben...
"The key to productivity is to rotate your avoidance techniques."
- Too Much Coffee Man
"Nichts ist so dringend, dass es nicht durch einiges Liegenlassen noch dringender werden könnte."
- Volksmund
Während ich durch eigenes Verbaseln nicht in Essen, sondern auf Nachtschicht in Bremen war, liefen im TV dauernd Beiträge über Prokrastination, die
Kunst oder
Krankheit (je nachdem, wen man fragt) des Aufschiebens. Ich habe Prokrastination bereits von beiden Seiten erlebt, als positiven und als negativen Einfluss.
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Die Guten gegen die Jocks
Amerikanische Helden, so die europäische Vorstellung, sind schon optisch keine Underdogs: muskelbepackt, familienorientiert, weiß. Definitiv keine Ex-Tellerwäscher. Was man in den High Schools die "Jocks" nennt, die Sport-Asse, die alle Chancen haben und zu denen alle aufblicken. Wo man sich fragt: Wieso eigentlich? Nur weil einer gut Football spielt, macht ihn das doch nicht zu einer moralischen Instanz. Wie passen die ins Bild? Hier ist jetzt die wirklich gute Nachricht: Immer weniger.
Früher hieß es, die Bösewichter seien die interessanteren Charaktere, sie kriegen die besseren Dialoge, die schickeren, weil schwarzen, Hüte und ein breiteres Spektrum an Ausdrucksmöglichkeiten. Das lag daran, dass die Guten halt fürs Gute standen und damit keine Rechtfertigung brauchten, die Bösen mussten uns erst noch überzeugen. Im Prinzip gilt das immer noch, aber in guten Geschichten steht heute weniger der Kampf Schwarz gegen Weiß im Vordergrund als die Auseinandersetzung verschiedener Grauschattierungen. Inzwischen müssen sich auch die Guten differenzieren, und das hat ihnen gut getan.
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Prekär abwesend
Ich bin nicht da, wo ich sein sollte.
Wo ich sein sollte, vernünftigerweise, ist die Comic Action in Essen. Ist einfach doof gelaufen. Einen eigenen Stand kann ich mir nicht leisten, und weder das Comicwerk noch PANEL, meine naturgegebenen Partner für so was, fahren hin. (Außerdem war der Anmeldeschluss für Stände irgendwann im Mittelalter, das hätte ich eh nicht mehr rechtzeitig geschafft.) Ich hätte mich noch um einen Platz in der Zeichnerallee bemühen können, aber irgendwie bin ich da auch nicht zu gekommen. Stattdessen sitze ich in Bremen, schiebe Nachtschichten und lasse mir das Fahrrad klauen. Bei der Nachtschicht. In der ersten Nacht der Comic Action. Wink, wink?
Und je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr scheint mir der Grund dafür, dass ich in dieser Grauzone bin, in der ich mir nicht leisten kann, hinzufahren, aber auch nicht, nicht hinzufahren.
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Oberschichtenfernsehen
- Sie lesen wohl lieber Dürrenmatt!
- Ja.
- Na, dann lesense doch Ihren Dürrenmatt.
(Max Goldt: Dürrenmatt, 1986)

Mit einiger Verspätung (ich habe keinen Fernseher und musste mich anderer Medien bedienen) habe ich jetzt Marcel Reich-Ranickis Fernsehpreis-Abfuhr und die anschließende Fernsehdiskussion zwischen ihm und dem derzeitigen Preisträger für Reich-Ranickis Lebenswerk, Thomas Gottschalk, gesehen.
Die Berichterstattung über den Konflikt hatte ich mit einiger Genugtuung verfolgt. Ich konnte das gut verstehen, ich finde den Großteil des Fernsehprogramms auch blöd. Dass das Fernsehen Mist bringt, halte ich dabei nicht mal für ein Problem. Dass der Mist dann statt intelligenter Progamme mit Fernsehpreisen gewürdigt wird, allerdings schon. In derselben Veranstaltung wurde die Dieter-Bohlen-Pöbelei DEUTSCHLAND SUCHT DEN SUPERSTAR zur besten Unterhaltungssendung gekürt! Den gleichen Preis, nur in einer anderen Sparte, dann Reich-Ranicki zu geben, ist schon irgendwie beleidigend. Ich würde mich auch nicht gerne in eine Kategorie mit Bohlen stecken lassen. Naja, vielleicht die Gehaltskategorie.
Am Freitag zeigte das ZDF, was bei Gottschalks Schlichtungsbemühen herausgekommen war. Eine Diskussion zwischen zwei Leuten, die sich in ihrer Weise immer schon gerne über Niveauloses beschwert haben, aber völlig andere Strategien haben, ihrem Unbehagen Geltung zu verschaffen. Und unterschiedliche Vorstellungen von Niveau sowieso.
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Hach, die Technik...
Endlich habe ich wieder ein richtiges Handy! Nachdem mein altes heruntergefallen war, konnte ich lange Zeit keine SMS mehr lesen - oder irgendwas auf dem doofen Display. Naja, ich hätte schon gekonnt - heute habe ich endlich rausgekriegt, wie ich den Kram auch vom Computer aus lesen kann. Aber jetzt brauche ich das nicht mehr, denn ich habe ein neues, und zwar mit dieser ungemein praktischen Zusatzfunktion, die eigentlich jeder Comiczeichner, vor allem jeder Comicblogger, braucht:
Einer Kamera.
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Storygewitter
Wie sich herausstellte, war die
Deadline für das andere Conny-Abenteuer gar nicht Ende Oktober, sondern vergangenen Mittwoch. Praktisch lief das auf sechs Seiten innerhalb von etwas über einer Woche hinaus. Fünf für die neue Geschichte sowie die aktuelle Seite von
TALES FROM THE SANDPIT, die ja auch noch gemacht werden musste. Plus acht Seiten Nachbearbeitung, denn die beiden Seiten, die ich schon gezeichnet hatte, hatte ich wirklich NUR gezeichnet.
(...)
Arbeite ich jetzt immer so? Der Gedanke hat was für sich. Meine psychische Obergrenze waren bisher drei Seiten pro Woche. Aber wie's aussieht, geht auch das doppelte, auf vorzeigbarem Niveau. Natürlich nicht jede Woche - die Anstrengung fühle ich heute noch in den Knochen. (Vielleicht war's auch die Nachtschicht vorher, das weiß ich nicht.) Aber so ein gelegentlicher Ausbruch von Erzählfleiß hat auch was für sich. Wie ein klärendes Gewitter. Die aufkommende Story schwebt jetzt nicht mehr düster über mir, sondern sie liegt fertig vor mir.
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