Der m(ech)anische Comiczeichner

Max Vähling zeichnet Comics und redet darüber.


Montag, 18. Januar 2010
Hochformat, quergedacht
Wenn in einem der vielen Foren, in denen ich herumhänge, über die Möglichkeiten von Webcomics diskutiert wird, was oft vorkommt, sagt eigentlich immer irgendwann einer so was wie:
"Webcomics müssen im Querformat sein, weil die meisten Bildschirme quer ausgerichtet sind. Das passt einfach viel besser in eine Webseite. Niemand will scrollen!" Und manchmal fügt derjenige noch hinzu: "Webcomics, die das Hochformat von den gedruckten Comics übernehmen, gucke ich mir gar nicht mehr an."
Ich übertreibe nicht. Sie sagen "müssen" statt "sollten" oder "könnten" oder "würde ich mir wünschen, bitte". Sie sagen "niemand" statt "ich". Und es gibt wirklich Leute, die lieber einen guten Comic verpassen, als ihn bis zur unteren Hälfte der Seite zu lesen.

Viele Webcomics bedienen das Querformat, teilweise mit einigem Geschick. Bereits früh hat sich der Comicstrip als beliebtes Online-Format durchgesetzt, nicht zuletzt weil er gut beim ersten Blick auf die Seite erfassbar ist. In den letzten Jahren werden auch immer mehr Comics, egal welchen Seitenformats, in Flash-Readern präsentiert, die technisch gesehen eine Art Browserfenster im Browserfenster darstellen, und zwar ein queres.

All das ändert nichts an der Tatsache, dass das Bestehen auf Querformat ziemlicher Blödsinn ist.

Gehen wir die "Argumente" mal einzeln durch.

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Dienstag, 5. Januar 2010
Beispielskript: Die!
Wer selber Comics schreiben will, sucht gelegentlich, nicht nur hier, nach fertigen Skripten, als Beispiele oder um den Prozess vom Skript zum Comic zu illustrieren. Mir ging's genauso. Gewissermaßen sogar immer noch - auch wenn ich Skripte inzwischen nicht mehr als Orientierungshilfe lese, sondern entweder als Teil meiner Arbeit oder zum Spaß.

Deshalb habe ich mir erlaubt, hier selber mal ein Skript einzustellen. Es handelt sich um die erste Fassung von "Die!" (englisch: Playground Politics"). Ich habe extra ein Skript herausgesucht, das sich vom fertigen Comic in einigen zentralen Punkten unterscheidet. Den fertigen Comic zum Vergleichen findet Ihr hier auf deutsch und hier auf englisch.

Original-PDF im Celtx-Exportformat:
script-die.pdf (pdf, 9 KB)

Html- Fassung im vertrauteren Drehbuchstil:
script-die (html, 15 KB)

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Freitag, 1. Januar 2010
2010 - Das Jahr, in dem wir...
Erstmal ein frohes neues Jahr an alle LeserInnen dieses Blogs. Ich hoffe, alle eure Wünsche werden erfüllt, und werde gerne das meinige dazu tun, insoweit zu den Wünschen mehr von meinen Comics gehören.

Vorsätze habe ich dieses Jahr keine, ich war zu sehr damit beschäftigt, Pläne zu machen.

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Dienstag, 15. Dezember 2009
Wie out sind Hefte?
Mein geschätzter Kollege Daniel Gramsch hat gerade ein neues Alina-Fox-Heft herausgebracht, das ich hiermit wärmstens empfehlen möchte. Nicht nur, weil es ein sehr schönes Abenteuer ist und ich ihm sowieso den Erfolg gönne, sondern auch, weil ich ein persönliches Interesse daran habe, dass man mit Heften Erfolg haben kann.

Die Zeichen dafür sehen nicht gut aus. Ich habe schon seit längerem den Eindruck, dass Hefte nicht mehr gehen. Im letzten Zettgeist-Podcast (Nr. 104, für alle, die später dazugekommen sind) über Perspektiven, mit Comics Geld zu verdienen, wird das Problem sogar sehr kategorisch abgehandelt. Was sich heute verkauft, sind Graphic Novels. Oder wenigstens Alben.

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Montag, 23. November 2009
Band 2 - die Albenserie
Zwei Hefte der vierteiligen Conny-Ausgabe könnte ich im Prinzip jetzt schon herausbringen, das dritte fast, nur vom vierten ist noch fast nichts fertig. Bei meinem derzeitigen Tempo wird es wohl auch noch bis März dauern, das alles zu zeichnen. Das ist fast ein bisschen zu knapp für das Album, das bis spätestens Ende April druckfertig sein sollte. (Band 1 war im Februar fertig gezeichnet, und das Album hat noch bis zum Tag vor dem Comic-Salon gebraucht.) Deshalb habe ich beim Konzipieren verscheidener Teilausgaben auch mal mit einer zweibändigen Ausgabe gespielt, deren ersten Teil ich bequem im Lauf des Frühjahrs herausbringen könnte.

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Dienstag, 17. November 2009
Band 2 - die Heftreihe
Das letzte Jahr ist wie im Flug vergangen. Naja, wie ein Billigflug, der mit Pedalen unter den Sitzen in der Touristenklasse angetrieben wird, aber trotzdem im Flug. Im September 2008 begann ich, Band 2 von Monsterjägerin Conny Van Ehlsing ins Netz zu stellen, und jetzt bin ich, was die ursprüngliche Planung angeht, etwa zwei Abenteuer (und sechs Monate) von Abschluss des Bandes entfernt. Es fühlt sich nicht so an, eher kommt es mir vor, als hätte ich gerade angefangen. Stattdessen muss ich langsam ans Aufhören denken.

Wegen des zweiten Downloads von Band 1 hat sich auch die Heftausgabe von Band 2 verzögert. Aber langsam muss ich mit beiden in die Hufe kommen. Ich will die Heftausgabe diesmal vor dem Album herausbringen - wir haben ja letztes Mal gesehen, wo es hinführt, wenn nicht.

Das Album soll bis zum Comic-Salon in Erlangen fertig sein. Das ist dieses Mal Anfang Juni. Danach sollte ich eh kein Heft herausbringen - Sommerpause. Kriegt niemand mit. Also bis einschließlich Juni, drei oder vier Hefte, je nachdem, wie ich sie aufteile.

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Mittwoch, 28. Oktober 2009
24 Tage danach
Der 24-Stunden-Comic als Dummy, offen
Inzwischen sind die 24 Seiten des 24-Stunden-Comics alle nachbearbeitet und zusammengesetzt. Probehalber habe ich die Seiten auch in ein PDF zusammengefasst und ausgedruckt. Den Ausdruck zu falten und zu heften war Luxus, aber es hilft mir, ein Gefühl für das Heft zu kriegen, das aus dem Comic mal werden soll. (Siehe "Mehr Fetisch".)

Es ist 24 Tage her, dass ich den Comic fertiggezeichnet habe, und erst jetzt konnte ich ihn zum ersten Mal lesen. Ziemlich viel Arbeit für einen Comic, von dem ich noch nicht mal wusste, ob die Story was taugt.

Bleibt die Frage: Wie weiter?

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Freitag, 23. Oktober 2009
Too Old to Rock'n'Roll?
"That's the heart of the age question: It's not harder for an older writer to start. It's just easier to quit."
John August

Vor einiger Zeit sah ich einen Live-Mitschnitt der Kinks, in dem Ray Davies so alt war wie ich beim Gucken. Und sie galten damals schon als Oldie-Band, die ihren Zenit seit mindestens fünfzehn Jahren überschritten hatte. (Ungerechterweise, möchte ich hinzufügen.) Diese Art von Nostalgie, bei der man seiner kreativsten Zeit hinterhertrauert, wird mir wohl noch eine Weile erspart beiben. Meine kreativste Zeit (bisher) ist jetzt, und auch wenn das manchmal nicht so klingt, ich genieße sie in vollen Zügen.

Leicht ist es allerdings nicht. Ich habe ja schon gelegentlich im Blog erwähnt, dass ich nicht nur nicht alleine von Comicverkäufen leben kann - bei meinem jetzigen Geschäftsmodell könnte ich es auch dann nicht, wenn ich entsprechend mehr von den Comics verkaufen würde, denn dann käme ich nicht mehr zum Zeichnen. Klar, wenn's erstmal so weit ist, kann ich immer noch das Geschäftsmodell wechseln. Aber das ist nicht der Punkt.

Der Punkt ist: Einen Namen im Comicbereich zu machen, ist ein langwieriger Prozess, wenn man nicht gerade Bernd das Brot erfindet oder so. Jeder Schritt bringt neue Möglichkeiten mit sich, und langsam aber sicher entwickelt sich aus den paar Seiten Gekritzel, die ich vor einigen Jahren noch hatte, eine ansehnliche Vita. Nur halt langsam. Sehr, sehr langsam. Das kann einen an schlechten Tagen schon ein wenig unter Druck setzen. Jetzt bin ich vierzig, und in dem Alter kommen schlechte Tage nicht mehr mit jugendlicher Nörgeligkeit oder modischem Ennui, sondern mit existentialistischer Bedrohlichkeit. Das Geld! Die Rente! Die nachlassende Ausdauer! Die zunehmenden medizinischen Bedürfnisse! usw.

Mit vierzig sind andere Leute Professoren oder führen Banken oder so was. Und ich?

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