Der m(ech)anische Comiczeichner

Max Vähling zeichnet Comics und redet darüber.


Sonntag, 14. September 2008
Ein Rattenschwanz von Perspektiven
Wer sich in Internet-Nischen bewegt und hofft, da gelegentlich ein wenig Geld zu verdienen, kennt natürlich THE LONG TAIL. Der "lange Schwanz" (im Deutschen würden wir vielleicht "Rattenschwanz" sagen, klingt auch weniger peinlich) ist in einer Verkaufszahlentabelle der ganze Kram jenseits der Bestseller. Die Kurve der Verkäufe läuft immer flacher aus, und die meisten Produkte von welcher Art auch immer sind in diesem Schwanz. Hier eine Grafik von Chris Anderson, der den Begriff geprägt hat:

Grafik: Chris Anderson, www.longtail.com Das ist an sich noch nichts Besonderes. Interessant wird es durch zwei Faktoren: Der Rattenschwanz beinhaltet all die Bücher oder Filme oder Comics, die man in einem normalen Geschäft schon aus Platzgründen nicht findet, denn sie verkaufen sich so selten, dass sich der Platz im Regal nicht rechnet. Aber - das ist der erste Aspekt - sie verkaufen sich. Einmal im Monat, alle paar Monate, vielleicht einmal im Jahr. Und weil der Rattenschwanz fast unendlich lang ist, bringen sie alle zusammen mehr ein als alle Harry-Potter-Bücher zusammen.

Und der zweite Aspekt: Sie verkaufen sich nicht im Laden, denn da stehen sie nicht. Sie verkaufen sich im Internet, denn da gibt es Anbieter mit potenziell unendlichem Angebot. Das ist eine gute Nachricht für die Betreiber von Portalen wie Lulu und eBay, die ihren Umsatz mit Produkten machen, die sie gar nicht vorrätig haben und deshalb nicht teuer lagern müssen. Es ist auch eine gute Nachricht für die Produzenten von Nischenprodukten, wenn auch nicht ganz so. Die gute Nachricht ist, dass es die Nischenprodukte überhaupt mal in so was wie einen Laden schaffen. Die schlechte ist, dass sich die Dinger immer noch nicht öfter verkaufen als je einmal im Monat oder alle paar Monate oder wann auch immer...

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Mittwoch, 10. September 2008
Wie man David Bowie covert
Ich weiß nicht, ob es zur Zeit cool ist, das zu sagen, aber ich war immer ein großer David-Bowie-Fan. Naja, bis auf eine Weile in den Achtzigern, aber das war total sein Fehler. Jedenfalls habe ich ihn in der letzten Zeit wieder viel gehört, auch einige Radio-Mitschnitte, die nie auf CD erschienen sind. Dabei ist mir aufgefallen, dass - nicht bei allen, aber doch bei einigen - etwas fehlte. Die Band war wie immer hervorragend, Bowie war frisch und voll bei der Sache, aber trotzdem klangen einige der Mitschnitte eher wie Oldie-Shows als wie eigenständige Hörerlebnisse. Es ist halt schwierig, innovativ zu wirken, wenn die Innovationen dreißig Jahre zurück liegen.

Sogar HEROES. Besonders HEROES.

HEROES (der Song) ist ein Meisterwerk. Ein Beat, für den geringere Musiker töten würden, ein Text voll von verzweifeltem Optimismus und ein Bowie, dem man einfach glaubt, dass er das mit letzter Kraft singt. Es ist zu recht ein Klassiker. Keine Bowie-Coverband kommt ohne den Song aus, und auch keine Bowie-Show. Allerdings lädt gerade HEROES mit seiner einfachen Struktur dazu ein, es durchzuhuschen. Sogar Bowie selber scheitert oft daran. Dann klingt er wie eine Bowie-Coverband, die nie in der Gosse war, aus der dieser Song kommt. Der Song wird abgehakt, aber es entsteht nichts.


Neulich habe ich die frühen Comics von Marvels ULTIMATE-Universum nochmal gelesen, während ich David Bowie hörte. ULTIMATE, für alle, die es nicht kennen, ist Marvels Cover-Version des Marvel-Universum, modernisiert und neu erzählt für alle, denen das alte Marvel-Universum zu unübersichtlich geworden ist. Geschrieben von Hochkarätern wie Brian Bendis und Mark Millar, wird alles reingepackt, was das Marvel-Universum zu bieten hat. Spider-Man muss im Eiltempo durch seine formativen Momente hindurch, und ständig wird die Welt gerettet - vor Magneto, vor den Skrull, alle sind dabei.

Und gerade deshalb liest es sich manchmal wie eine schlecht durchgehuschte Coverversion.

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Samstag, 6. September 2008
Die Anfänge von Vol. 2
Beim Hochladen des letzten Beitrags fiel mir auf, dass ich seit Anfang August nicht mehr gepostet hatte. Das geht ja nun gar nicht! Dabei habe ich richtig viel Bloggenswertes geschrieben! Nur, fertig ist das noch nicht. Es gibt halt solche Blogbeiträge (die spontanen, die schnell gehen) und solche (die ein bisschen mehr Recherche erfordern, weil, ich will euch ja keinen Müll erzählen).

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Donnerstag, 4. September 2008
Wie man sich den ersten Eindruck vergeigt
Wisst Ihr, was NICHT das erste ist, das ich beim Aufrufen eines Online-Shops sehen will?

Eine Seite, die mich vom Herumstöbern abhält, bis ich eine Software installiert habe. Das ist so ungefähr das Äquivalent eines Türstehers, der mich nicht in einen Laden reinlässt, bevor ich etwas gekauft habe. Und, ja, ich weiß, dass die Software kein Geld kostet, aber Zeit, Und Nerven. Und "Commitment": Ich muss es wollen. Und wie soll ich es wollen, wenn man mir nicht zeigt, was ich da wollen soll?

Bevor ich die Software installiert habe, kann ich nicht mal gucken, wieviel das gewünschte Abum kostet, also ob ich es überhaupt kaufen will. Und bei diesem Album weiß ich wenigstens, dass sie's haben, und dass es international verfügbar ist. Vor einigen Jahren habe ich schon mal mit dem Gedanken gespielt, mich bei diesem Shop anzumelden, habe es aber aus genau dem Grund gelassen. Ich wollte mich nicht auf einen Shop einlassen, von dem ich nicht mal wusste, ob er wirklich die Musik anbietet, die mich interessiert, im richtigen Format, zum richtigen Preis, für den deutschen Markt und in einem Bezahlverfahren, zu dem ich Zugang habe. Das sind nämlich alles Sachen, die ich vorher wissen will.

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Dienstag, 5. August 2008
Unfinished Business: Olga
Kollege Daniel Gramsch hat im Comicforum angekündigt, etwas neues mit seiner Heldin Alina Fox auszuprobieren, etwas mit täglichen Updates. Mehr weiß ich noch nicht darüber, aber ich bin gespannt. Und ein bisschen nervös - das klingt sehr nach Abenteuerstrip, und ich hoffe sehr, dass sich die neue Alina nicht mit meiner schon etwas älteren, aber rundumerneuerten Olga in die Quere kommt. Nachher stehe ich noch als Nachahmer da, und bei Daniel kann ich auch schlecht so tun, als wüsste ich nichts davon. Zeit also für einen weiteren "Unfinished Business"-Abriss, diesmal zu...

Codename: Olga

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Freitag, 1. August 2008
Sinn für Realitäten
Ein paar Gedanken zwischendurch:


Die Gegenwart meint es gut mit uns Kleinverlegern. Durch das Internet sind Produktionsweisen entstanden, die es leicht machen, einen Comic, ein T-Shirt oder was auch immer zu produzieren, ohne Riesenauflagen vorzufinanzieren, Lagerhallen anzumieten oder sich dem Großhandel anzudienen. Für mich heißt das, dass die Kopierheftzeiten fast vorbei sind. Obwohl ich überlege, zumindest GATE CRASH weiter als Kopierheft zu führen, um es spontaner produzieren zu können. Aber der Digitaldruck wie beim Conny-Album und Print on Demand wie bei Reception Man und Olga - das sind gute Alternativen. Sieht viel besser aus als kopiert, auch wenn man Pech haben kann, und ist nicht viel teurer.

Natürlich muss sich noch viel tun. Dass ich mir meinen POD-Service in den USA suchen musste, spricht Bände. Die deutschen Betreiber, die ich kenne, lohnen sich eben doch erst ab einer größeren Auflage, oder ab dickeren Büchern, oder sie bieten einfach das Comic-Format nicht an. Internationale Anbieter haben natürlich den Nachteil, dass das Porto die Preisvorteile auffrisst, und dass man nicht mal eben beim Drucker vorbeischauen kann, wenn was nicht stimmt. (Eine Möglichkeit, die ich spätestens bei der Produktion des Conny-Albums unendlich schätzen gelernt habe.) Ich denke, einiges davon wird sich noch geben im Lauf der Zeit, wenn nicht alles. Problematischer wird es, für verstreute POD-Produkte die richtige Aufmerksamkeit zu schaffen. Je mehr sich die Produktionsweise drchsetzt, desto schwieriger wird es wahrscheinlich sein, sich abzuheben. POD ist eben doch mehr zum Kleckern gedacht als zum Klotzen.

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Freitag, 25. Juli 2008
Bürgerpflicht
Wer in Deutschland ein Buch oder Heft herausbringt, ist verpflichtet, zwei Exemplare an die deutsche Nationalbibliothek zu schicken. (Und ein bis zwei, je nach Bundesland, an die jeweilige Landesbibliothek.) Festgehalten ist diese sogenannte Pflichtstückverordnung im Gesetz über die deutsche Nationalbibliothek. Zum ersten Mal darüber gestolpert bin ich, als sich Selbstverleger in irgendeinem Forum darüber aufgeregt haben. Ich finde diese Einrichtung gar nicht echauffierenswert, sondern eigentlich sehr sinnvoll. (Noch wichtiger finde ich allerdings die "normalen" Bibliotheken, Ihr wisst schon, die, wo man Bücher ausleiht. Wer da Erfahrungen mit hat, ist sehr willkommen, diese als Kommentar zu posten.)

Ich gehe davon aus, dass die Selbstverleger unter meinen Lesern ähnliche Probleme haben werden, deshalb folgt nun meine völlig subjektive, total inoffizielle Anleitung zum Einschicken von Comics an die Nationalbibliothek.

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Samstag, 19. Juli 2008
Unfinished Business
Neben Conny habe ich ja noch das eine oder andere Comic-Projekt. Das bekannteste dürfte Das Neue Heft sein, vor allem weil ich darüber ja schon lang und breit hier geschrieben habe. Daneben gibt es die neuen Konzepte, die ich neulich erwähnt habe, Kurzgeschichten wie den Science-Fiction-Comic, den ich für ein neues SF-Magazin aufbereiten wollte, Codename: Olga, Graf X... Jede Menge Zeug, das hier rumliegt, aber zur Zeit weder weggeräumt noch abgeschlossen werden kann. Und das sind nur die Comics.

Freunde und Bekannte mahnen immer mal wieder, ich solle mich auf einige wenige Projekte konzentrieren. Meistens haben sie auch eine genaue und sehr eigene Vorstellung, auf welches Projekt. Sie haben ja nicht ganz unrecht, aber denken wir's zuende: Wenn ich auf alle meine Freunde und Bekannten hören würde, hätte ich immer noch zehn Projekte am Hals, nur im Gegensatz zu jetzt kaum noch welche, die mir Spaß machen.

Aber belasten tut mich dieser Ballast schon. Deshalb habe ich mir vorgenommen, die Projekte in den nächsten Wochen jeweils eine Woche lang zu evaluieren, eventuelle Lücken zu schließen und eine Art Bestandsaufnahme zu machen, wie weit sie eigentlich sind und wo's gerade hapert. In der ersten Woche habe ich mir Das Neue Heft vorgenommen, und das hat mich so begeistert, dass ich gleich damit weitergemacht habe. Keine Ahnung, wann ich zum nächsten Projekt komme. Hier also erstmal Teil eins meiner neuen Reihe: "Was macht dieses Ding auf meinem Schreibtisch?"

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