Der m(ech)anische Comiczeichner

Wie Comics entstehen. Vom Jähling.


Sonntag, 16. September 2007
Reality Check, Nummer Eins
Arbeitsorganisation
"I love deadlines. I like the whooshing sound they make as they fly by."
Douglas Adams

Es ist schon länger klar, dass ich mein Drei-Monats-Ziel bei Dem Neuen Heft nicht werde einhalten können. Es liegen einfach derzeit zu viele andere Sachen an, die - im Gegensatz zu Dem Heft - dringend sind. Das soll nichts entschuldigen. So was wird immer passieren, und wenn es nicht die eine Sache ist, dann ist es die andere. Und ich will auch gar nicht, dass solche Sachen wie die, die mich diesmal vom Zeichnen abgehalten hat, nie wieder passieren. Hey, das war bezahlte Arbeit. Gerne wieder. Gerne öfter.

Das Ding ist, so was passiert jedem mal. Dass was dazwischen kommt, meine ich. Bezahlte Arbeit hoffentlich auch. Professionell ist nicht, das vorzuziehen und die andere Arbeit hintenanzustellen. Professionell wäre, beides zu machen. Beziehungsweise die Terminaussagen gleich so anzulegen, dass sie sich auf jeden Fall einhalten lassen. Wenn ich also mit dem erklärten Ziel herangegangen wäre, innerhalb von drei Monaten ein Heft zu produzieren, könnte ich es jetzt vergessen, die drei Monate sind nämlich um. Gut, dass ich das nicht gemacht habe.

Das Neue Heft war von Anfang an ein Experiment. Eins, das ich nicht mit vollem Ernst durchgeführt habe, sonst hätte ich mich für drei Monate in eine schwedische Waldhütte verzogen oder so. Jetzt, wo ich weiß, dass mir kein Termin im Nacken sitzt, kann ich in Ruhe dran weiterarbeiten. Denn auch das ist klar: Ich habe schon zu viel dafür gezeichnet, um jetzt NICHT weiterzumachen. Und wie jedes gute Experiment hat dieses verwertbare Teilergebnisse gebracht: dieses Blog zum Beispiel. Und die Erfahrung, dass ich auch über einen längeren Zeitraum drei Seiten in der Woche zeichnen kann. Überhaupt mehr Seiten als ich im ganzen letzten Jahr fertiggekriegt habe. Und natürlich das neue Heftkonzept.

Nur - habe ich ein neues Heftkonzept? Das bisherige Konzept ging davon aus, dass ich einigermaßen regelmäßig eine Ausgabe fertigkriege. Schon damit sich die LeserInnen beim zweiten Heft noch an mich erinnern. Mindestens drei, vier Hefte lang. Und auf dem ersten Heft prangt groß die Nummer eins.

Ihr wisst vielleicht, dass ich in acht Jahren Dreadful Gate Productions noch nie eine Nummer eins von irgendwas herausgebracht habe? terrain vague ist immer unter dem jeweiligen Titel erschienen, Olga war eine Sonderausgabe, und sowohl Gate Crash als auch Reception Man sind mit Nullnummern angetreten. Das zweite Reception-Man-Heft, Rückkehr des schlaflosen Retters, kam so lange nach Nr. 0, dass ich das Heft gar nicht erst benummert habe. Nullnummern mache ich, wenn ich nicht absehen kann, ob sich das Heftkonzept durchsetzt und ich erst mal gucken will, wie sich das entwickelt. In der Nullnummer von Reception Man stand dazu folgendes: "Auch sonst ist viel geplant. Sobald ich mir vorstellen kann, eine etwa vierteljährliche Erscheinungsweise gewährleisten zu können, und sobald ich es finanzieren kann, soll es tatsächlich ein regelmäßiges RECEPTION-MAN-Heft geben, vielleicht nicht nur mit Superheldencomics, mal sehen." So sind Nullnummern. Vage. Unverbindlich. Und genauso soll Das Neue Heft nicht sein. Es lebt davon, dass es das erste von mehreren ist. Die Eins darauf sollte keine verschüchterte Weiter-bin-ich-noch-nicht-Eins sein, sondern eine stolze Hier-beginnt-etwas-Besonderes-Eins. Kann ich das noch machen? WEISS ich, dass weitere folgen werden? Wird es okay sein, wenn es mal ein halbes Jahr dauert, bis die nächste Nummer erscheint? Oder soll ich lieber erstmal dieses Heft fertigmachen, und dann mal sehen? Und wenn ja, was mache ich dann mit der Eins? Es gibt nichts Peinlicheres als eine Eins, die alleine bleibt, oder? Bei Gate Crash liegt die Sache etwas anders. Das Heft sollte von Vornherein unregelmäßig und mal eben zwischendurch entstehen. Inzwischen bin ich auch von dem Gedanken ab, es ab Nr. 1 drucken zu lassen. Das dauert zu lange. Gate Crash Nr. 0 ist entstanden, weil ich zu einer Messe kein neues Heft hatte. Da habe ich schnell eins zusammengestellt. Die Idee, ein festes Heft daraus zu machen, kam später. Jetzt, vor allem vor dem Hintergrund eines anderen festen Heftes (Des Neuen Heftes natürlich), sehe ich das mit der Regelmäßigkeit etwas lockerer. Ich muss Gate Crash nicht machen, aber ich kann. Wenn es mit den anderen zu lange dauert. Wenn ich ein tolles neues Cover habe. Wenn ich mich langweile. Wenn ich Das Neue Heft fertighabe. Es bleibt aber ein Heft in einer Reihenfolge. Nr. 0, Nr. 1 und so weiter. Egal, wann. Funktioniert so eine Lockerheit mit einem festeren Konzept, wie Das Neue Heft es hat? Da bin ich noch nicht ganz sicher. Der Unterschied ist, dass die Hefte aufeinander aufbauen, und auch wenn es nicht wirklich Fortsetzungen sind, so ist es doch ganz gut, wenn man sich noch an Nr. 1 erinnert, wenn Nr. 2 herauskommt. (Und ich habe tolle Ideen für spätere Hefte, es wäre also einfach schade drum.) Naja, ich hab's ja mit Experimenten. Ich werde also einfach mal die Eins drauftun, und dann wird sich's ja zeigen, ob es eine verschüchterte Eins ist oder eine stolze.

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