Der m(ech)anische Comiczeichner

Max Vähling zeichnet Comics und redet darüber.


Samstag, 15. März 2014
A Long Time ago We Used to Be Fans...
Inspiriertwerden
Nach einem Jahr Warten (oder sieben, je nachdem) ist es jetzt endlich so weit - der Veronica-Mars-Film ist erschienen. Seit Donnerstag in deutschen Kinos, seit Freitag online. Ich habe sicher schon erwähnt, dass ich ein großer Fan der Serie war und diesem Film mit etwa der Erwartung entgegengesehen habe, die ein sehr gieriges Kind ganz kurz vor Weihnachten hat. Jetzt ist er da.

Statt einer Rezension hier ein paar Notizen.

Als vor einigen Jahren die fast ebenso heiß erwartete erste Doctor-Who-Folge von Neil Gaiman erschien, twitterte Neil, er habe ein wenig Angst, die Erwartungen an diese Folge könnten so hoch sein, dass selbst die beste Folge sie nicht würde erfüllen können. Die Sorge war unbegründet - die Folge war alles, was wir Fans uns erhofft hatten, und mehr. Ich weiß nicht, ob Veronica-Mars-Autor Rob Thomas ähnliche Befürchtungen hatte. Ich hatte welche. Also, die Fan-Version davon.

Bereits vor Wochen war ein Trailer zu sehen, der sich anscheinend vor allem an die Fans der Serie richtete - man sah viele bekannte Gesichter, nur von der Handlung sah man wenig. Auch die vorveröffentlichten ersten paar Minuten des Films fassen vor allem die Serie und Veronicas Weg seitdem zusammen. Das ist kein besonders ... cineastischer Einstieg.

Erst beim Sehen des Films wurde mir klar, dass das tatsächlich so geplant war. Der ganze Film wirkt nicht wie ein Film für dahergelaufene Popcornfresser, die nicht wissen, was sie gucken wollen, hauptsache mit viel Wumm. Er richtet sich vor allem an die Fans der Serie und enthält alles, was das Marshmallow-Herz höher schlagen lässt. Das sind nicht nur die altvertrauten Co-Stars und knackigen Voiceovers, das ist auch eine bestimmte Noir-Atmosphäre mit korrupten Sherrifs in einer Stadt ohne Mittelklasse, das sind schlechte Entscheidungen, Menschen, die ihrer Herkunft nicht entkommen können, und immer wieder ein Schlag in die Magengrube des Zuschauers.

Dieser Film ist kein Reboot, kein Wiederausgraben für ein neues Publikum. Er ist die lang verschollene vierte Staffel der Serie. Er ist zugleich auch mehr. Größer. Ein Tribut. Ein Klassentreffen. Aber vor allem ist er so nahe dran an der Serie, wie man das fürs Kino machen kann.

Was die Serie so toll gemacht hat, war eine intensive Mischung aus Noir- und Teenie-Elementen. Auf den ersten Blick war die Serie “jung” und “spritzig” und wurde wahrscheinlich deshalb in Deutschland weitgehend übersehen, wie vor ihr eine gewisse andere Genre-Serie mit blonder Hauptdarstellerin. Zugleich war sie aber auch düster und weit erwachsener, als man das angenommen hätte. Bereits in der ersten Folge kriegen wir, in der Ästhetik eines Musikvideos, einen Schlag nach dem anderen versetzt. Veronica ist abgehärtet, weil sie Außenseiterin ist. Ihre beste Freundin wurde umgebracht. Veronica war vergewaltigt worden. Es gibt gewalttätige Gangs und reiche Jungs, die noch brutaler sind.

Veronica ist nicht perfekt. Sie macht Fehler. Wie in jeder Dramaserie kommen die Fehler später wieder, um sich zu rächen. Was bei den meisten Serien aber eine vorhersehbare und deshalb eher melodramatische Gaukelei ist, wirkt bei Veronica Mars als echter Schlag. Wenn Veronica einen dieser Fehler begeht, sind wir, einfach weil das so toll geschrieben und gespielt ist, voll auf ihrer Seite. Ihre schlechten Entscheidungen werden uns nicht als Fehler serviert, sondern als nachvollziehbare kleine Siege, die wir ihr wünschen - und die, wenn es so weit ist, nicht nur sie treffen, sondern auch uns.

Das ist, auch wenn es oft harmlos daherkommt, starker Tobak. Der macht süchtig. Seit Absetzen der Serie sind die Fans auf Entzug. Zumal die Serie nie richtig beendet wurde und die Beteiligten allesamt völlig andere Sachen gemacht haben seitdem. Auch gut, aber nicht so.

Seit dieser Woche haben wir endlich wieder neuen Stoff. Nicht viel, aber guten. Auch kommerziell scheint der Film ganz gut angelaufen zu sein, die Rechnung ist also aufgegangen. Das lässt hoffen.

Es ist kein Zufall, dass einer der zentralen Abschnitte des Films während einer Wiedersehensfeier des Schuljahrgangs spielt. Genau das ist der Film. Gleich nach dem Streamen des Films habe ich getwittert, er sei, als käme man nach langer Zeit nach hause, aber dieses Mal erscheine alles größer als früher. Mich hat einfach beeindruckt, wie vertraut das alles war.

Ich weiß natürlich immer noch nicht, wie der Film auf Leute wirken wird, die die Serie nicht gesehen haben. Probiert es einfach aus und sagt mir dann, wie’s war.

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