Bürgerpflicht
Wer in Deutschland ein Buch oder Heft herausbringt, ist verpflichtet, zwei Exemplare an die
deutsche Nationalbibliothek zu schicken. (Und ein bis zwei, je nach Bundesland,
an die jeweilige Landesbibliothek.) Festgehalten ist diese sogenannte Pflichtstückverordnung im Gesetz über die deutsche Nationalbibliothek. Zum ersten Mal darüber gestolpert bin ich, als sich Selbstverleger in irgendeinem Forum darüber aufgeregt haben. Ich finde diese Einrichtung gar nicht echauffierenswert, sondern eigentlich sehr sinnvoll. (Noch wichtiger finde ich allerdings die "normalen" Bibliotheken, Ihr wisst schon, die, wo man Bücher ausleiht. Wer da Erfahrungen mit hat, ist sehr willkommen, diese als Kommentar zu posten.)
Ich gehe davon aus, dass die Selbstverleger unter meinen Lesern ähnliche Probleme haben werden, deshalb folgt nun meine völlig subjektive, total inoffizielle Anleitung zum Einschicken von Comics an die Nationalbibliothek.
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Unfinished Business
Neben Conny habe ich ja noch das eine oder andere Comic-Projekt. Das bekannteste dürfte
Das Neue Heft sein, vor allem weil ich darüber ja schon lang und breit hier geschrieben habe. Daneben gibt es die neuen Konzepte, die ich
neulich erwähnt habe, Kurzgeschichten wie den Science-Fiction-Comic, den ich für ein neues SF-Magazin aufbereiten wollte,
Codename: Olga,
Graf X... Jede Menge Zeug, das hier rumliegt, aber zur Zeit weder weggeräumt noch abgeschlossen werden kann. Und das sind nur die Comics.
Freunde und Bekannte mahnen immer mal wieder, ich solle mich auf einige wenige Projekte konzentrieren. Meistens haben sie auch eine genaue und sehr eigene Vorstellung, auf welches Projekt. Sie haben ja nicht ganz unrecht, aber denken wir's zuende: Wenn ich auf alle meine Freunde und Bekannten hören würde, hätte ich immer noch zehn Projekte am Hals, nur im Gegensatz zu jetzt kaum noch welche, die mir Spaß machen.
Aber belasten tut mich dieser Ballast schon. Deshalb habe ich mir vorgenommen, die Projekte in den nächsten Wochen jeweils eine Woche lang zu evaluieren, eventuelle Lücken zu schließen und eine Art Bestandsaufnahme zu machen, wie weit sie eigentlich sind und wo's gerade hapert. In der ersten Woche habe ich mir Das Neue Heft vorgenommen, und das hat mich so begeistert, dass ich gleich damit weitergemacht habe. Keine Ahnung, wann ich zum nächsten Projekt komme. Hier also erstmal Teil eins meiner neuen Reihe:
"Was macht dieses Ding auf meinem Schreibtisch?"
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Dr. Horrible: Wie man das Internet kaputt macht
Was lernen wir? Manchmal kann es sich auch im Netz lohnen, einen Inhalt verknappt anzubieten - vorausgesetzt, die Knappheit entsteht durch die Dynamik im Vorfeld und nicht, indem man den Zugang von vornherein nur für wenige Kunden zulässt. Als
Radiohead ihr letztes Album zum Download angeboten haben, quasi umsonst, wenn man wollte, haben Kritiker geunkt, so was könne sich schon lohnen. Wenn man denn Radiohead ist. Das Gegenteil ist der Fall:
Nicht das breite, niedrigschwellige Angebot muss man sich im Netz erstmal leisten können, sondern die Verknappung.
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Wie ich bereits sagte...
Wenn ich etwas einmal geschrieben habe, ist es für mich erledigt. Deshalb schreibe ich die Dialoge meiner Comics als letztes und lasse auch sonst gerne Lücken in den verschiedenen Stufen des Schreibprozesses. Deshalb habe ich die Geschichten in
RECEPTION MAN Nr. 0 nicht neu gezeichnet, sondern neu veröffentlicht. Und deshalb habe ich hier noch nichts über die Vorbereitungen zum zweiten "Volume" von MONSTERJÄGERIN CONNY VAN EHLSING geschrieben - denn das habe ich bereits woanders getan.
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Zeit ist Geld (leider nicht meins)
...
Ich bin sogar ganz zufrieden mit dem Plot. Nur habe ich das Gefühl, dass nicht ich das zeichnen sollte, sondern, sagen wir, Sergio Aragonés. Würde passen. Viele Massenszenen. Mit denen tue ich mich immer etwas schwer, aber Aragonés schüttelt so was aus dem Handgelenk. Das bringt mich zu einem Thema, zu dem mich eigentlich schon mein vielbeschworener Zeitmangel gebracht haben sollte: die Zusammenarbeit mit Zeichnern. Ich meine, seien wir ehrlich: wenn ich jemals von den Comics alleine leben will, muss ich mehr davon rausbringen, als ich alleine zeichnen kann.
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Wer nicht singt, hinkt hinterher...
You know the old adage, “It’s Show Business – not Show Friends”? Well now it’s Show Friends. We did that. To Show Business. To show Show Business we mean business. (Also, there are now other businesses like it.)
- Joss Whedon
Ich habe schon seit einiger Zeit das Gefühl, dass Online-Comics als Breitenphänomen irgendwann ein Auslaufmodell sein könnten. Bis jetzt erfüllen sie jedes Web-Grundbedürfnis von freier Verfügbarkeit über geringen Aufwand bis zur kurzen Ladezeit. Aber mit dem immer schneller werdenden Internet sind zumindest zwei dieser drei kein Problem mehr, und auf der dritten Ebene, beim Aufwand, hat der Webcomic auch längst Konkurrenz. Nicht nur weil jeder Besitzer einer Digitalkamera seine Filmchen
bei YouTube hochladen kann. Das ist keine Konkurrenz für einen wirklich guten Comic. Aber immer mehr gestandene Filmleute produzieren direkt fürs Internet, zuletzt der einmalige
Joss Whedon.
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Bisschen was zu lachen
Im Moment bin ich nicht der Rührigste, was vor allem an den vielen Nachtschichten liegt. Statt wie ein Besessener am englischen Conny-Heft, am zweiten Download oder dem zweiten Conny-Band zu arbeiten (geschweige denn am Neuen Heft), sitze ich viel auf dem Balkon und lese alte Asterix- und Lucky-Luke-Comics. Man sollte ja meinen, wenn man einen Witz erstmal kennt, braucht man ihn nicht nochmal erzählt zu kriegen, aber die Dinger lese ich immer wieder, und jedesmal muss ich über die gleichen Witze lachen.
Das Besondere an Goscinnys Schreibe sind dabei weniger die Gags als die Art, wie sie aufgebaut werden. Goscinny ist ein Meister darin, dieselbe Situation mit verschiedenen Figuren und aus verschiedenen Perspektiven immer wieder neu zu interpretieren. Geschickt über die Dauer des Albums verteilt, ist das jedes Mal ein vollwertiger Gag, der mit dem wiederholten Gebrauch nicht lahm wird, sondern sich steigert. Jedes Mal kann der neue Gag von den vorherigen profitieren. So sind die Spinnereien von Rantanplan in LUCKY LUKE nie einfach nur Dummheit, sondern folgen einer eigenen Logik, in der jede neue Wendung ihre Plausibilität hat. Averell Dalton dagegen - so viel Kritik sei erlaubt - ist einfach nur doof und damit auf Dauer langweilig. Daran zeigt sich, wie charakterbasiert selbst die klamaukigsten Szenen sind. Ein Rollentausch, in dem Averell Rantanplans Grillen kriegt und umgekehrt, würde nicht gehen.
Der Humor in meinen Comics ist völlig anders, er hat eine andere Richtung und baut auf anderen Voraussetzungen auf. Sich selbst steigernde Gagreihen kann ich in meinen Kurzgeschichten schon aus Platzgründen nicht bringen. Sattdessen ziehe ich meinen Witz aus der Absurdität einer Grundituation. Ich lege auch Wert darauf, nicht zu sehr ins Humorige abzudriften. Etwa zweimal in den letzten zehn Jahren habe ich einen Gag gebracht, von dem ich selber nicht überzeugt war, aber dachte, dass er wohl ankommen würde. Habe ich beide Male bereut. (Nein, ich verrate nicht, welche. Das merkt man doch beim Lesen!)
Guter Humor ist eigentlich immer charakterbasiert.
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Schreiben? Bei mir macht das der Computer.
... Es gibt aber auch den Punkt, an dem ich das ganze elektronisch erfassen muss, einfach um die Elemente noch mehr herumschieben zu können. Das passiert vor allem, wenn mir eine Geschichte noch zu lang ist - dann muss editiert werden, und damit nicht alles völlig unansehnlich/unlesbar wird, und damit ich das Hin-und Herschieben mit Drag & Drop machen kann statt mit Radiergummi und Abschreiben, mache ich das elektrisch. Noch wichtiger ist der Computer (geworden), wenn es um die Planung eines ganzen Projekts geht. Notizen, Ideen für einzelne Szenen, von denen ich oft noch nicht mal weiß, wo sie am Ende hinsollen, neue Figuren - naja, das fängt auch alles in Notizbüchern an. Aber wenn ich mich erstmal auf ein Projekt einschieße, komme ich am besten voran, indem ich alles darüber in eine Datei speichere, und diese Datei muss komplexer sein als eine Textdatei. (Ein Ordner mit vielen Textdateien tut's aber auch.)
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